Conchita Wurst – wer hinter der Kunstfigur steckt

„We are unity and we are unstoppable“, diese Worte mit weitreichender Bedeutung wählte Conchita Wurst, als die Kunstfigur im Jahr 2014 den Eurovision Song Contest in Kopenhagen gewann. Ihren Sieg widmete sie „allen Menschen, die an die Zukunft von Frieden und Freiheit glauben“. Damit spielte sie an die zahlreichen Anfeindungen an, die Homosexuelle und Andersdenkende auch in der Welt des 21. Jahrhunderts immer noch erleben. Dabei sprach und spricht Conchita Wurst aus eigener Erfahrung. Ihr Anders-Sein brachte ihr schon in Jugendtagen Spott und Hass ein.

Conchitas Kindheit und Jugend

Conchita Wurst wurde als Thomas Neuwirth am 6. November 1988 in Gmunden in Oberösterreich geboren, wuchs jedoch im steirischen Bad Mitterndorf auf. Schon während seiner Jugendtage fühlte er, anders zu sein als andere Kinder. Das brachte ihn an den Rand der Gesellschaft in dem kleinen Heimatort. Bereits mit 14 Jahren zieht es Tom fort von zu Hause und er beginnt eine Ausbildung an der Modeschule in Graz. Doch auch dort stößt sein Anders-Sein auf Unverständnis und Ausgrenzung ist die Folge.

Über seine sexuelle Orientierung machte Tom Neuwirth nicht lange ein Geheimnis. Im Rahmen eines Besuchs bei seinen Eltern im Alter von 17 Jahren bekannte er sich zur Homosexualität. Wie er in seinem Buch „Ich, Conchita. Meine Geschichte“ schreibt, waren seine Eltern mit der Situation zu überfordert. Ein Streit entbrannte und seine Eltern brauchten etwas Zeit, um sich an den Gedanken zu gewöhnen. „Allein, dass es ein Outing braucht (…) beweist, wie weit wir von einer toleranten Gesellschaft entfernt sind“, schreibt Neuwirth in seinem Buch.

Musikalische Anfänge und Verwandlung in Conchita Wurst

Erstmals als Musiker in der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Tom Neuwirth durch seine Teilnahme an der TV-Castingshow Starmania des Österreichischen Rundfunks. In der dritten Staffel belegte er im Jahr 2006 Platz zwei hinter Nadine Beiler. 2007 gründete er mit Johannes K. Palmer und Falco De Jong Luneau die Boyband jetzt anders!, die sich allerdings bereits im selben Jahr wieder auflöste. Danach war es für einige Zeit ruhig um Tom Neuwirth. Wie sich später herausstellen sollte, verwendete er die Jahre für die Umwandlung in Conchita Wurst.

Erstmals trat er 2011 als Diva mit Vollbart auf. Der Name Conchita stammt von einer aus Kuba stammenden Freundin. „Wurst“ bezieht sich lauf dem Künstler nicht auf das Lebensmittel, sondern auf den österreichischen Ausdruck „Es ist Wurscht“ – was so viel bedeutet wie egal. Damit möchte der Künstler ausdrucken, dass es keinen Unterschied macht woher man kommt und wie man aussieht. Hier einige weitere bedeutende Szenen aus dem Leben von Conchita:

  • Bekannt wurde die Kunstfigur durch den Aufritt an der Castingshow „Die große Chance“, wo Wurst im Jahr 2011 teilnahm und den sechsten Platz belegte
  • Im Jahr 2012 nahm Conchita Wurst bereits bei der Ausscheidung zum Eurovision Song Contest 2012 teil. Mit seinem Lied „That´s What I am“ musste er sich mit 49 Prozent Zustimmung knapp der Band Trackshittaz geschlagen geben.
  • Als der Österreichische Rundfunk im September 2013 bekanntgab, Conchita Wurst zum Eurovision Songcontest 2014 nach Kopenhagen zu schicken, waren die Meinungen geteilt. In diesem Jahr traf die damalige Programmintendantin Kathrin Zechner die Entscheidung ohne, dass es zu einer Vorausscheidung gab.

Am 11. Mai 2014 gewann Conchita Wurst mit „Rise like a Phoenix“ den Gesangswettbewerb und schrieb damit österreichische Musikgeschichte. Wer damals nicht nur Roulette online gespielt, sondern auch in einem online Wettbüro auf den Sieg gesetzt hat, konnte sich einen satten Gewinn einstreifen.

Im Jahr 2019 erfand sich Tom Neuwirth noch einmal ganz neu. Er kündigte einen Imagewechsel an und veröffentlichte unter dem Namen WURST Songs aus dem Genre Elektropopp. Bei seinem neuen Look verzichtet er auf Perücken und möchte seiner männlichen Seite Ausdruck verleihen. Seit November 2019 ist er außerdem Jurymitglied bei der Pro-Sieben Show Queen of Drags.